Archäologische Ausgrabungen an der ehemaligen Moschee in Wünsdorf

21.07.2015

Derzeit graben Archäologen in Wünsdorf nach den Überresten der ältesten Moschee Deutschlands. Die Grabungen werden von Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (BLDAM) durchgeführt und sollen bis zum 24. Juli abgeschlossen sein. Danach will das Land Brandenburg auf dem Gelände Container für Asylbewerber aufstellen. 

Die ehemalige Moschee, ein rot-weiß gestrichener Holzbau, wurde im Ersten Weltkrieg im "Halbmondlager" einem Kriegsgefangenenlager am 15. Juli 1915 eingeweiht. Es war die erste Moschee auf deutschem Boden. Der vom preußischen Militär finanzierte Bau mit dem circa 25 Meter hohen Minarett wurde in nur fünf Wochen errichtet. Die Moschee wurde für muslimische Araber, Inder und Afrikaner errichtet, die im Verlauf des Krieges in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten. Sie kämpften auf Seiten der Briten und Franzosen. Das Privileg der Gefangenen war die freie islamische Religionsausübung. Die Wünsdorfer Moschee, die Platz für gut 400 Gläubige bot, war für die Gefangenen Tag und Nacht geöffnet und wurde nicht nur zu den Freitagsgebeten und anderen hohen islamischen Festtagen genutzt, sondern auch zur religiösen Unterweisung, zum Koranstudium und zur Waschung der Toten.

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Die Kriegsgefangenen sollten bewegt werden, im Krieg fortan gegen ihre Herkunftsstaaten zu kämpfen und für das Bündnis der Mittelmächte einzutreten, darunter neben dem Deutschen Reich und Österreich-Ungarn das Osmanische Reich und Bulgarien. Nur zum Teil gelang das auch: Von 16.000 bis 20.000 Gefangenen kämpften ungefähr 2.000 von ihnen später an der Seite Deutschlands bzw. dessen Verbündeten.

Das Wünsdorfer Halbmondlager diente auch als Imagefaktor. Das Militär ließ Tausende Postkarten drucken, die in alle Welt geschickt werden. Die Moschee wurde noch einige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg durch die islamische Gemeinde Berlin und ab 1924 durch die Gesellschaft für islamische Gottesvertretung weitergenutzt. Im Jahr 1930 musste der Holzbau auf Grund des schlechten Bauzustandes aber abgerissen werden. Heute verweisen nur noch ein Straßenname und eine kleine Metallplakette in auf dieses Bauwerk.

Das Land Brandenburg will an dem Ort der früheren Moschee nun Container für Asylbewerber aufstellen lassen. Die dafür notwendigen Bodeneingriffe führen dazu, dass zunächst nach Resten der Moschee gesucht werden soll. Die Arbeiten sollen bis zum 24. Juli 2015 dauern. Gefunden wurden noch keine Holzreste, aber eiserne Bolzen, die als Verbindungsteile dienten. Einige Punktfundamente der Moschee sind ebenfalls zu erkennen. Das Gelände wurde im Laufe der Zeit stark verändert. In der Nazizeit entstanden dort 1934 Panzerhallen. Später, nach Abzug der russischen Truppen, wurden die Panzerhallen zum Teil abgerissen und es entstanden Parkplätze für das Verwaltungszentrum B.

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