Auftaktveranstaltung "2013 - Zossen erinnert"

31.01.2013

War die Machtübergabe am 30.01.1933 nur ein „Betriebsunfall“?

Mit zahlreichen Veranstaltungen und demokratischem Engagement wird in Zossen an das Jahr 1933 und seine Folgen erinnert. 

Die Eröffnungsveranstaltung des Gedenkjahres fand am 30. Januar 2013 im Gemeindesaal der Ev. Kirche Zossen statt. Der 30. Januar 1933 ist nicht irgendein Datum. Damit begann das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Vor genau 80 Jahren, wurde Adolf Hitler von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler berufen - eine folgenschwere politische Fehlentscheidung, die den Schlusspunkt hinter den Niedergang der Weimarer Republik setzte. 

Eröffnet wurde die Gedenkveranstaltung mit einem Grußwort der Generalsuperintendentin Heilgard Asmus (Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit). Sie hob hervor, dass gerade in einer so relativ kleinen Stadt wie Zossen ein ganzes Gedenkjahr veranstaltet wird und viele Akteure hier gemeinsam tätig werden. 
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Die Haltung von Kirche und Christen in den politischen und sozialen Konflikten seiner Zeit, aber auch der Umgang mit der Geschichtsaufarbeitung nach 1945, wurden vom Kirchenhistoriker Dr. Hartmut Ludwig kritisch betrachtet. In seinem Vortrag ging er auch auf die unterschiedlichen Phasen der Vergangenheitsbewältigung und Aufarbeitung ein.

Deutlich wurde, dass der 30. Januar 1933 kein „Betriebsunfall" war. Schon nach der Entstehung der Weimarer Republik blieb die konservative Kontinuität der Landeskirchen erhalten. Nach der Abdankung des Kaisers und dem Beginn der Weimarer Republik richtete der Präsident des altpreußischen Evangelischen Oberkirchenrats (EOK) Reinhard Möller noch 1919 ein „tiefempfundenes Dankeswort“ an den abgesetzten Kaiser. 

Bereits ab 1932 existierte die "Glaubensbewegung Deutsche Christen". Diese Vereinigung protestantischer Nationalsozialisten hatte 1933 die Kirchenwahlen in der neugeschaffenen einheitlichen Reichskirche gewonnen und konnte die wichtigen Kirchenämter besetzten. In den ersten Monaten des „Dritten Reiches“ setzten etwa 80% der evangelischen Deutschen ihre Hoffnung auf die nationalsozialistische Regierung. 

Allerdings bildeten sich auch sogenannte Bekenntnisgemeinschaften, die mit dem Pfarrernotbund die Wurzeln der Bekennenden Kirche darstellten. Im März 1934 übernahm ein "Reichsbruderrat" die Koordination und lud zur ersten Barmer Bekenntnissynode vom 29. bis 31. Mai 1934 ein, auf der sich die Bekennende Kirche konstituierte. Sie verweigerte der nationalsozialistisch orientierten Reichskirche den Gehorsam. 

Die katholische Kirche in Deutschland war in den Jahren 1930 bis 1933 vielfach als Kritikerin des Nationalsozialismus aufgetreten. Später relativierte die katholische Kirche ihre bis dahin geübte Kritik.

Als Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik wurden neben anderen Aspekten herausgestellt, dass mit der Entstehung der Weimarer Republik das politische System geändert wurde, nicht aber das Wirtschaftssystem. Die Industrie und Wirtschaft wollte am alten Wirtschaftssystem festhalten und unterstützte daher schließlich Hitler. Als zweiter Aspekt wurde deutlich, dass die Demokratie noch nicht in den Köpfen der Menschen verwurzelt war. Hieraus können und sollten Lehren für die Gegenwart und Zukunft gezogen werden.
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Superintendentin Katharina Furian konnte den Vortrag durch einige Zossener Bezugspunkte ergänzen. Der evangelische Pfarrer Otto Eckert hatte von 1931 bis 1933 eine Pfarrstelle in Zossen inne. Hier schloss er sich den Deutschen Christen und der NSDAP an, unterstützte im Frühjahr 1933 die Gewaltmaßnahmen gegen Kommunisten und Sozialdemokraten in Zossen und sorgte für die Versetzung des Zossener Diakons Emil Phillip, der sich über die Behandlung der Sozialisten und Kommunisten und das Handeln Pastor Eckerts entsetzte. 1933 übernahm Eckert das neugeschaffene Amt eines Propsten für die Neumark und die Niederlausitz. Gleichzeitig wurde er Mitglied des Konsistoriums der brandenburgischen Provinzialkirche und Präses der Provinzialsynode. Zudem trug Frau Furian einige Wahlergebnisse aus Zossen und einigen Ortsteilen (für die Jahre 1932/33) vor. 

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung durch das Duo acuerdo. Die beiden Berliner Musiker Anja Dolak und Bernhard Hariolf Suhm bilden seit Herbst 2010 das durch eine unglaubliche Wandelbarkeit beeindruckende Duo.

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