Besuch der Hachschara-Ausstellung in Trebbin

03.07.2017

Im Rahmen der Sommertour der Brandenburger Landesgruppe der LINKEN im Bundestag besuchte ich gemeinsam mit Kirsten Tackmann, Norbert Müller, Birgit Wöllert, René Kretzschmar und Angelika Linke die Hachschara-Ausstellung in Trebbin. Dr. Herbert Fiedler und Doris Kieback erläuterten uns in der Dauerausstellung, die in der Goethe-Oberschule in Trebbin untergebracht ist, die Geschichte des ehemaligen Hachschara-Lagers in Ahrensdorf. Dort wurden zwischen 1936 und 1941 nach bisherigen Erkenntnissen 304 junge deutsche, österreichische und zunächst auch polnische Juden auf ihre Emigration nach Palästina vorbereitet. Ursprünglich gab es mindestens 32 Hachschara-Lager in Deutschland. Später existierten nur noch gut ein Dutzend Hachschara-Lager im Umkreis von Berlin.

Im Landwerk Ahrensdorf, wurden von 1936 bis 1941 Jugendliche auf ihre Auswanderung nach Palästina vorbereitet und in landwirtschaftlichen Fertigkeiten unterrichtet. Die Ersten durften noch legal ausreisen, die Letzten schickten die Nazis in die Konzentrationslager.

Dr. Herbert Fiedler ging auch auf Einzelschicksale der in Ahrensdorf zeitweilig untergebrachten 14-bis 17-jährigen Mädchen und Jungen ein. Eine von Ihnen war Esther Bejarano. Sie wurde 1924 in Saarlouis als Tochter eines Oberkantors verschiedener jüdischer Gemeinden geboren. 1941 kam sie von Ahrensdorf in das Arbeitslager Neuendorf bei Fürstenwalde/Spree und im April 1943 wurde sie mit allen anderen Insassen des Arbeitslagers und weiteren über 1000 jüdischen Menschen nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte Auschwitz als Musikerin im weiblichen Häftlingsorchester, dem sogenannten »Mädchenorchester von Auschwitz«. Von Auschwitz nach Ravensbrück verbracht, konnte sie auf einem der folgenden Todesmärsche entfliehen.

Seit den 1960iger Jahren lebt sie wieder in Deutschland. Noch immer spielt Musik eine große Rolle in ihrem Leben, sie tritt u.a. mit der Rap-Band Microphone Mafia auf.

2006 wurde in der Oberschule Trebbin, Goethestraße 18, die Dauerausstellung über das Hachschara-Landwerk Ahrensdorf eröffnet (www.hachschara-ahrensdorf.de).

Rolf Baruch und dessen Freundin Lucie Hahn sind auf den s/w Foto zu sehen. Das Foto entstand in Ahrensdorf. Sie kamen beide 1938 nach Ahrensdorf begegneten sich, arbeiteten miteinander und verliebten sich. Urs Faes erzählt im 2014 erschienenen Roman „Sommer in Brandenburg“ von der berührenden Beziehung. http://www.suhrkamp.de/buecher/sommer_in_brandenburg-urs_faes_42419.html

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