Der Volkspark Zossen - eine Perle seiner Zeit

30.06.2012

Die BUGA 2015 Havelregion wirbt damit, dass eine Parkanlage aus der DDR in das BUGA-Konzept integriert wurde

Gut 40 interessierte Gäste kamen am Freitag, den 29.06.2012, in den „Weißen Schwan“, um einen Vortrag über den Volkspark Zossen zu hören.

Eingeladen hatte der Förderverein Naturpark „Baruther Urstromtal“ e.V. Als dessen Vorsitzender begrüßte ich die Referentin, Frau Dr.- Ing. Caroline Rolka. Frau Dr. Rolka ist seit 2011 Gastprofessorin für Gartendenkmalpflege an der TU Dresden. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der TU Berlin.

Wer Ansichtskarten über Zossen aus der DDR Zeit findet, wird überwiegend auf solche stoßen, die den Stadtpark bzw. Volkspark darstellen. Das ist ein Hinweis auf die Bedeutung des Parks für die Stadt zu dieser Zeit. In vielen Gesprächen die ich im Zuge der Vorbereitung der Veranstaltung geführt habe, viel mir auf, das Zossenerin und Zossener, die den Park noch aus früherer Zeit kennen, schnell ins Schwärmen geraten.

Die Blütenpracht, die einst den Volkspark auszeichnete, belegen folgende Abbildungen aus den 1960iger Jahren, die Frau Petra Hoffmann freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.

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Heute dient der Park leider vielmals nur noch als Durchgangsstrecke um vom Bahnhof in die Stadt zu gelangen oder umgekehrt. Neu hinzugekommen sind allerdings der Burgspielplatz am Park und eine Brücke über den Nottekanal.

Auch die Kommunalpolitik hat sich mit dem Park schon beschäftigt. Initiiert durch die Mitglieder des Ausschusses für Kultur, Tourismus und Landesgartenschau (KTL) hat die Stadtverordnetenversammlung das Thema aufgegriffen und 2010 beschlossen, dass ein Pflege- und Entwicklungskonzept für den Stadtpark Zossen erarbeitet wird.

Weitere Infos zur Beschlusslage finden Sie hier:


Mittlerweile gibt es mehrere Forschungsarbeiten, die sich in den vergangenen Jahren mit dem Zossener Park beschäftigt haben. Die umfassendste Arbeit ist eine Masterarbeit über den Volkspark Zossen die von Frau Dr. Rolka betreut wurde. Diese, wie auch eine Bachelerarbeit sowie eine Bestandsaufnahme, waren die Grundlage für den Vortrag von Frau Dr. Rolka über die Geschichte, Bedeutung und über Empfehlungen für die Sanierung und Erhaltung des Zossener Volksparks.

Die Geschichte des Stadtparks ist eng verbunden mit der Geschichte der Burg bzw. dem Amtshof Zossen. Die Burg wurde auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel errichtet. Umschlossen war die Burg ursprünglich von einem Wassergraben. Um 1800 wurden die Gräben (Wallgräben) aufgefüllt und im Bereich des heutigen Parks entstanden Wiesen und Weiden. Da wir in Zossen oft von einem Schloss sprechen, liegt die Vermutung nahe, dass der heutige Park ursprünglich der Schlosspark war. Dem ist nicht so. Das so genannte Haus Zossen (auch als Amtshaus oder Schloss bezeichnet) verfügte allerdings tatsächlich über einen Park (Schlosspark). Dieser befand sich hinter dem Schloss zwischen Kirch- und Fischerstraße und ist heute noch teilweise erkennbar. Ein Teil des ehemaligen Schlossparks wird derzeit leider versiegelt. Es entsteht dort ein Parkplatz.

Auf den Wiesen und Weiden der Wallgräben entstand in den 1950iger Jahren der Zossener Park. 1959 wurde der Auftrag für den Entwurf des Volksparks vergeben. Bereits 1956 konnten einige Elemente im Park realisiert werden, die in der 1959 begonnen Planung berücksichtigt wurden.

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Der Rosengarten in den 1960iger Jahren

Frau Dr. Rolka erwähnte auch, dass der Architekt Prof. Hermann Henselmann an den Planungen für den Volkspark Zossen mitwirkt haben soll. Leider gebe es hierfür allerdings noch keinen Beleg. Frau Petra Miersch aus Zossen konnte jedoch ergänzen, dass Sie noch aus eigenem Erleben weiß, das Prof. Henselmann mehrmals in Zossen war, um an den Planungen mitzuwirken.

Prof. Henselmann prägte in den 1950er und 1960er Jahren Architektur und Städtebau in der DDR. Nach seinen Entwürfen sind u. a. die Wohnbebauung und die Turmhochhäuser am Strausberger Platz in Berlin-Friedrichshain oder die Wohnbebauung am Frankfurter Tor in Berlin entstanden. Auch das Haus des Lehrers in Berlin, das damalige Hochhaus der Universität Leipzig oder das damalige Hochhaus der Universität Jena entstanden nach seinen Entwürfen. Ursache für das Engagement des renommierten Architekten in Zossen war eine persönliche Bekanntschaft, die ihn mit Zossen verband.

Anfang der 1960iger Jahre kamen die Arbeiten zum Aufbau des Stadtparks weitgehend zum Abschluss. Prägendes Element war der Springbrunnen. Östlich der Springbrunnenanlage gab es einen markanten Dahliengarten. Am nördlichen Eingang, von der Kirchstraße kommend, einen Rosengarten. Eine wichtige Sichtachse bestand von der Treppenanlage an der Bahnhofstraße über den Springbrunnen zu den Gebäuden des ehemaligen Schlossareals. Um diesen Blick zu gewährleisten fanden sich an den Böschung zum Schloss Blumenrabatten.

Weitere Infos zur Geschichte des Parks finden Sie hier:


Hinsichtlich der Bedeutung des Volksparks Zossen, verwies Frau Dr. Rolka auf seine extrem hohe Originalsubstanz, die es zu erhalten und zu sanieren gilt. Der Park ist eine Perle seiner Zeit und zurecht seit 1982 als Gartendenkmal in die Denkmalliste eingetragen.

Die gartenhistorische Kategorie des Volksparks aus der DDR-Zeit hat Seltenheitswert. Die BUGA 2015 Havelregion wirbt sogar damit, dass mit dem in den 1960iger Jahren in Brandenburg entstandenen Kulturpark Marienberg eine solche Parkanlage aus der DDR in das BUGA-Konzept integriert wurde. Im BUGA-Konzept heißt es: „Als weitgehend erhaltenes Beispiel eines Freizeit- und Erholungsparks der DDR in der charakteristischen Formensprache und Materialverwendung der 70er Jahre besitzt der Kulturpark Marienberg gartenhistorischen Wert“.

Im Anschluss an den Vortrag gab es noch eine Besichtigungstour durch den Stadtpark, bei der auf viele Details aufmerksam gemacht wurde.

Frau Dr. Rolka hat uns einen Blick von außen auf unseren Park gezeigt und zudem einen fachlich fundierten. Manchmal braucht es den Blick von außen, um wichtige neue Impulse aufgreifen zu können. Immerhin waren fünf Stadtverordnete, zwei Ortsbeiratsmitglieder und sachkundige Einwohner des Ausschusses KTL anwesend, die diese neuen Impulse aufgreifen können.

Ich denke, es ist höchste Zeit, dass der Park, der ja eng mit dem Burgareal – dem alten Mittelpunkt der Stadt - verbunden ist, wieder zu neuem Leben erweckt und restauriert, rekonstruiert und instand gesetzt wird. Das vorliegende gartenpflegerische Konzept für den Stadtpark greift dabei die ehemalige Konzeption einer Volksparkanlage wieder auf. Ziel ist es, den Zugang zur Natur zu ermöglichen aber auch den Stadtpark als Bewegungsraum für Erholung und Freizeit zu nutzen. Nach dem Motto: Rasen betreten erwünscht!

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