Dezentrale Energiewirtschaft – gute Chancen für ein kommunales Engagement

23.06.2011

Bezahlbare und ökologische Energieversorgung gewährleisten


Es geht nicht mehr um die Frage “fossile Energieträger versus erneuerbare” – der energetische Umbau ist unstrittig – es geht um die Frage zentral oder dezentral, um die Verteilung und künftige Struktur der Energieversorgung und um die Frage, was kostet das?

Auch der Ausbau regenerativer Energien kann Nachteile mit sich bringen. Insbesondere Großprojekte wie z.B. Desertec oder Off-Shore-Windparks sind mit einer Reihe von Nachteilen verbunden. Solche Projekte setzten die bestehenden zentralen Großkraftwerksstrukturen fort. Notwendig werden damit beispielsweise neue Überlandleitungen von Tausenden von Kilometern. Auf neue Überlandleitungen kann weitestgehend verzichtet werden, wenn der Strom künftig dezentral erzeugt und verbraucht, und wenn der schwankende Strombedarf durch so genannte Kombikraftwerke und smart grids (intelligentes Stromnetz) geregelt würde. Kommunale Energiewerke sind daher unverzichtbar und werden den Anforderungen an eine sichere und bezahlbare Stromversorgung mit Erneuerbaren Energien besser gerecht als die bisherige Kraftwerks- und Netzstruktur.

Gegenwärtig, gibt es viele Beispiele, bei denen Städte neue Stadtwerke gründen oder Überlegungen in diese Richtung anstellen. In Zossen sind die Konzessionsverträge für Gas und Strom zwar verlängert worden, dennoch sollten wir rechtzeitig anfangen, Überlegungen für eigene Stadtwerke anzustellen bzw. über eine Beteiligung an anderen Stadtwerken oder an Kreisenergiewerken nachzudenken. Ziel ist es, Möglichkeiten zur Erzeugung und zum Vertrieb von Energie durch ein stärkleres kommunales Engagement zu gewährleisten. Damit können Klimaschutzziele schneller und flexibler erreicht werden.

Auf meinen Vorschlag hin wurde das Dach der Grundschule Zossen mit Photovoltaikanlagen bestückt. Das geschah durch eine Verpachtung der Dachflächen. Bei künftigen Investitionen oder bei der Sanierung von Heizungsanlagen in öffentlichen Gebäuden wird geprüft, ob im Zuge der energetischen Gebäudesanierung auch Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaikanlagen, etc. installiert werden können. Solche Anlagen könnten künftig auch durch ein kommunales Energieunternehmen errichtet und betrieben werden. Durch Einsparungen erzielte „Gewinne“ werden für weitere energetische Maßnahmen reinvestiert. Möglich ist aber auch der Bau und Betrieb eigener Anlagen zur Energieerzeugung. So könnte durch ein kommunales Energiewerk beispielsweise auch ein Solarpark errichtet und betrieben werden.

Die Angebote der Stadtwerke sollen zudem Dienstleistungen wie Beratung etc. umfassen. Denn eine Bürgerberatung zu technischen Fragen und Förderprogrammen kann das private Engagement für eine klimafreundliche und unabhängige Energieversorgung mit erneuerbaren Energien fördern. Der Rückkauf der Strom- und Gasnetze kann als Fernziel eine sinnvolle Option für die Stadt sein. Damit könnten wirtschafts- und umweltpolitische Zielsetzungen ebenso umgesetzt werden wie die Sicherung von Wertschöpfung und Standort. Für die Einwohnerin und Einwohner der Stadt soll damit eine bezahlbare Energieversorgung gewährleistet werden.

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