Die MAZ traf Carsten Preuß zum Gespräch an seinem geschichtsträchtigen Lieblingsort in Zossen – dem Stadtpark

03.09.2011

Märkische Allgemeine - Zossener Rundschau vom 02.09.2011

PORTRÄT: Der Heimatverbundene

Die MAZ traf Carsten Preuß zum Gespräch an seinem geschichtsträchtigen Lieblingsort in Zossen – dem Stadtpark

ZOSSEN - So oft wie einst schafft es Carsten Preuß nicht mehr, seinen Lieblingsort in Zossen aufzusuchen. Früher, als sein Arbeitsplatz sich noch in Zossen befand, schlenderte er gerne in den Mittagspausen durch den Stadtpark, vorbei an den noch existierenden Blumenbeeten, Schatten spendenden Bäumen und dem Springbrunnen. Damals wie heute hat er bei seinen Spaziergängen nicht nur die Anlage vor Augen, sondern auch die Geschichte der Stadt: „Der Stadtpark ist quasi das Herz, die Geburtsstelle von Zossen“, erklärt der 48-Jährige und deutet auf die Reste der ehemaligen Burgmauern.

Auch als Amtssitz der Mark Brandenburg habe Zossen bereits viel zu bieten gehabt – Wälder, fruchtbare Felder und den Sperenberger Gipsabbau. Wenn sich Preuß dies bewusst macht, stärkt das sein Vertrauen in die Stadt. „Wie wir aus der Geschichte lernen, haben wir genug Potential, um wieder eine wichtige Kommune in Brandenburg zu werden.“

Geschichte und Heimat – diese zwei Dinge bestimmen einen beträchtlichen Teil seiner Freizeit. Derzeit tüftelt er mit seiner Frau an einem neuen Projekt: die Geschichte der Guts- und Herrenhäuser in Teltow-Fläming. Viele Wochen haben sie mit der Recherche in Heimatmuseen verbracht – die über 40 Gebäude im Landkreis aufgesucht und fotografiert.Ihre Erkenntnisse füllen gut 250 Buchseiten. „Die Druckfahne ist bereits fertig“, sagt er stolz. Nun fehlt nur noch die Korrektur – das wird allerdings auf die Zeit nach dem Wahlkampf verschoben.

Dass es Preuß in die Politik verschlug, hängt mit einem Schlüsselerlebnis in seinem früheren Wohnort Sperenberg zusammen. Dort gab es in den frühen 90er Jahren die Diskussion um einen Großflughafen. „Da habe ich gesagt, nun muss man sich engagieren“, erinnert er sich. Vom Sprecherposten der Bürgerinitiative ging es für ihn dann nach der Wahl Ende 1993 ins Kommunalparlament.

Obwohl er seither politisch engagiert ist, hat er sich bis heute bewusst keiner Partei angeschlossen. Als Jugendlicher habe er vielleicht mit den Grünen geliebäugelt, sagt der 48-Jährige, prinzipiell würden sich Parteien aber seinen eigenen Vorstellungen nur annähern können. „Sich mit Haut und Haar einer Partei hinzugeben, ist für mich etwas schwierig“, gesteht er, schließlich wolle er seine Zeit völlig auf seine Ideen verwenden. „Eigentlich will ich mich um die Kommune kümmern, etwas für meine Heimat tun und nicht die übliche Parteiarbeit machen.“

Bevor Preuß, der aus einer traditionsreichen Landwirtschaftsfamilie stammt, anfing, seine Heimat politisch mit zu gestalten, lag ihm zunächst eine abwechslungsreiche Karriere bevor. Als Kind begeisterte er sich für den Tischlerberuf, dann entschied er sich doch, in die Fußstapfen seiner Eltern zu treten. Die Landwirtschaft alleine reichte ihm aber nicht aus. Neben der Arbeit studierte er und entdeckte die Themen Umwelt- und Naturschutz für sich. Nach drei unterschiedlichen Universitätsabschlüssen arbeitet er nun seit 20 Jahren im Kreisumweltamt. Dass sein Weg dorthin nicht schnurstracks verlief, sieht er als Vorteil. „Umwege erweitern den Horizont. Ich finde, dass der Weg nicht zu gerade sein muss. Ab und an einen Umweg zu wählen, um ans Ziel zu kommen, hilft vielleicht dabei, mit dem nächsten Problem besser fertig zu werden.“ Lächelnd gibt er aber zu, dass er seinem zehnjährigen Sohn einen etwas direkteren Weg wünscht.

Für Familie bleibt ihm oft nicht viel Zeit. Das abendliche Kochen mit seiner Frau ist für beide die Gelegenheit zu vertrauten Gesprächen, das Legospielen mit dem Sohn eine geliebte Beschäftigung. Die Wochenenden und Urlaube nutzt die Familie für ausgiebige Frühstücksrunden und Entdeckungsreisen. Oft führt der Weg nach Sperenberg, wo sie den Gipsabbau besuchen. „Das ist eine ganz andere Welt, da denkt man nicht, dass man in Brandenburg ist“, sagt der 48-Jährige.

Die kleine Familie wählt aber auch gerne Ziele außerhalb der Republik. „Derzeit haben wir den Westen für uns entdeckt“, berichtet er und erzählt von Reisen in die Bretagne und nach England. Für den Naturliebhaber gehört da auch die Landschaft mit zum Programm. „Ich bin schon gerne draußen. Allerdings möchte ich auch ein bisschen in die Ferne gucken. Bei dichtem Wald fehlt mir der Horizont.“

Seit er mit seiner Frau, einer Kunsthistorikerin, zusammen ist, gilt sein Interesse auch vermehrt diesem Gebiet. „Mit ihr habe ich sehen gelernt.“ Sie erläuterte ihm Stile und Farben, begeisterte ihn so auch für die alten italienischen Meister. Sollte er einen Lieblingsmaler benennen, dann wäre es aber doch der Impressionist Max Liebermann. (Von Nadine Pensold)

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