Ehemalige Knabenschule Am Kietz 26 ertrahlt im neuen Glanz

27.08.2012

Die ehemalige Knabenschule Am Kietz 26 in Zossen, wurde für  rund 1,6 Millionen Euro saniert und ist seither ein attraktives Wohn- und Geschäftshaus.

Der Großteil des Geldes für die Umbaumaßnahmen kam aus dem Topf für Städtebausanierung. Weitere Mittel kamen von der ILB und von der Zossener Wohnungsbaugesellschaft (ZWG), die auch Bauherr des Projekts war. Insgesamt entstanden neun Wohnungen – jeweils 50 bis 70 Quadratmeter groß – für Senioren, von denen drei vollständig behindertengerecht sind. Die anderen sechs Wohnungen sind altersgerecht gestaltet. Auch ein Fahrstuhl wurde eingebaut. Im Erdgeschoss wird eine Physiotherapeutin und ihr Team Einzug halten. Und auch ein Yoga-Studio erhält entsprechende Räume.

Auch Zossen muss sich dem demografischen Wandel stellen und künftig stärker die Bedürfnisse älter Menschen berücksichtigen. Seniorengerechtes Bauen oder Mehrgenerationsangebote sind hierfür ein wichtiger Baustein. Insofern bleibt zu hoffen, dass dem Objekt Am Kietz 26 weitere folgen.

Zuvor fristete das Gebäude über viele Jahre ein eher tristes Dasein. Noch bis 2011 kündete eine Beschriftung an der Außenfassade von der ehemaligen Feinbäckerei Kierschke.

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Goethe                                                  Schiller

Zwei Medaillons links und rechts der Eingangstür weisen allerdings auf einen anderen Teil der Geschichte des Hauses hin. Die im Zuge der Sanierungsarbeiten erneuerten Medaillons stellen die Köpfe von Goethe und Schiller dar. Sie zeugen von dem 1899 gegründeten privaten Pädagogium mit Internat durch den pensionierten Gymnasiallehrer Dr. Reiprich. Der erste Versuch von Bürgermeister Regener, eine private Knabenschule zu gründen, scheiterte 1883 noch. Das Gebäude am damaligen Bismarkplatz wurde jedoch nicht als Knabenschule gebaut, sondern die Räume waren hierfür angemietet. Das war wohl eine der Ursachen für eine Reihe von Unzulänglichkeiten.

In einer „Vorlage, betreffs des Ankaufs des früheren Steffeck’schen Grundstücks für Zwecke der höheren Schule“ für den Magistrat von Zossen im Juni 1909 heißt es: „Seit dem nunmehr 10jährigen Bestehen der hiesigen höheren Privatknabenschule ist bei jeder Revision durch den Herrn Regierungsschulrat der Magistrat auf die Unzulänglichkeit der in einem Privathause gemieteten Räume hingewiesen worden. Getadelt wurde vor allem der für eine Schule mit 80 – 100 Kindern unzureichende steile Treppenaufgang, die Abortanlage, der Zustand des zu gewerblichen Zwecken dienenden Hofes und das völlige Fehlen eines Schulplatzes.“

Als Schlussfolgerung aus der Vorlage erwarb die Stadt ein Grundstück in der Bahnhofstraße 18. Die repräsentative Villa, wie auch das Seitengebäude waren für eine Schule mit Internat besser geeignet. Am Ende des großen Grundstücks entstand um 1910 ein neues Schulhaus, das nun den Betreibern der Privatschule zur Verfügung gestellt wurde. Nach Realschullehrer Thiede, leitete ab 1922 Freiherr Dr. von Lützow bis 1935 die Schule, die er auch als Eigentum von der Stadt erwarb. Von Lützow wurde 1926 vor dem Berliner Landgericht angeklagt, Schüler misshandelt und sexuell missbraucht zu haben. Am Ende jedoch wurde der Angeklagte freigesprochen, trotz erdrückender Beweislast. Der Grund waren auf der einen Seite Probleme der strafrechtlichen Einordnung der Fälle und auf der anderen Seite die Gutachterlage.

1935 wurde die Schule in ein Reform-Realgymnasium umgewandelt. Zu DDR-Zeiten diente sie als Oberschule und nach der Wende als Förderschule. Viele Jahre stand das Gebäude zwischen der Bahnhofstraße und Breite leer. Mittlerweile soll die Stadt das Gebäude verkauft haben.

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