Erinnerung an Truppenabzug

16.06.2014

In Wünsdorf ist am Mittwoch, den 11.06.2014, mit einer festlichen Veranstaltung an den Abzug der russischen Truppen aus Deutschland vor 20 Jahren erinnert worden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren auf dem heutigen Gebiet Brandenburgs hunderttausende Sowjetsoldaten stationiert. Der Abzug erfolgte bis 1994. Zurück blieben leere Kasernen.

In Wünsdorf, wo sich das Oberkommando der GSSD/WGT befand, gab es allein fünf sowjetische Militärstädte unterschiedlicher Truppenteile. Mehrgeschossige Wohnhäuser gehörten dazu, Sportstätten, Schulen, Schwimmbäder, Kinos auf einer Fläche von rund 600 Hektar zuzüglich des Übungsplatzes.

Helmuth Markov (Linke) erinnerte in seiner Ansprache an den von Deutschland initiierten Zweiten Weltkrieg als Ursache der sowjetischen Truppenpräsenz in Deutschland. Einen Teil seiner Rede hielt er in fließendem Russisch.

Der russische Botschafter Wladimir M. Grinin dankte ausdrücklich Werner Borchert als Organisator für die Initiative zu der Veranstaltung. Er nannte den friedlichen Truppenabzug zwischen 1991 und 1994 die stärkste vertrauensbildende Maßnahme, die man sich vorstellen kann. Enttäuscht zeigte sich der Botschafter, dass die damit verknüpften Erwartungen im euro-atlantischen Raum nicht erfüllt wurden. Über die damalige und heutige Zusammenarbeit mit den brandenburgischen Behörden sagte er: "Immer dürfen wir uns auf unsere Freunde aus Brandenburg verlassen!"

Nach seiner Rede musste der Botschafter die Veranstaltung verlassen, da er im Bundeskanzleramt erwartet wurde. "Wir leben in einer Zeit, in der man keine Gesprächsgelegenheit auslassen darf", kommentierte Matthias Platzeck (SPD), der seit kurzem Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums ist, diesen Gesprächswunsch des Botschafters.
Platzeck erinnerte außerdem an die historische Bedeutung von Wünsdorf, "wo der teuflische Barbarossa-Plan ausgeheckt wurde", der Überfall auf die Sowjetunion, und mahnte angesichts von mehr als 20 Millionen sowjetischer Opfer daran, "was für eine Leistung es war, diese Taten verzeihen zu können. Ich halte sie nicht für selbstverständlich."

Die Landrätin Kornelia Wehlan (Linke), sprach die militärgeschichtliche Bedeutung des Landkreises an, und hob die besondere Bedeutung der Liegenschaft Kummersdorf-Gut hervor. Die  Liegenschaft ist ein Denkmal "von internationaler Bedeutung". Die noch vorhandenen Zeugnisse dürfen nicht zerstört werden. Der autentische Ort soll der Geschichtsaufarbeitung dienen und von diesem Ort sollen künftig Friedensbotschaften ausgehen. Zudem kann der Orte als Ansatzpunkte für eine tiefere Versöhnung dienen.

Wie vor 20 Jahren hatte Generaloberst Anton Terentjew "Das letzte Wort“. Er war der letzte Wünsdorfer Stabschef und Koordinator des Abzugs, der schließlich im September 1994 auch die Garnison Wünsdorf endgültig auflöste. Heute ist Terentjew Präsident des Veteranenverbandes der WGT/GSSD. In seiner Rede ging er auf die enormen logistischen Dimensionen der Truppenverlegung, aber auch auf die daraus resultierenden Probleme der Menschen in ihrer neuen russischen Heimat ein.

Auffällig war, dass die Bürgermeisterin der Stadt Zossen nicht an der Veranstaltung teilnahm.
Am Klavier begleitete Andreas Kaiser aus Wünsdorf die Veranstaltung mit Stücken russischer Komponisten.

Weitere Infos zur Präsenz und zum Abzug der Truppen finden Sie hier (interner Link).

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