Potsdam hatte es satt – 3.000 Teilnehmer demonstrierten gegen die Intensivierung der Landwirtschaft

31.08.2014

Mehr als 3.000 Menschen haben am Sonntag in Potsdam gegen Massentierhaltung protestiert. Unter dem Motto „Wir haben es satt“ forderten sie eine Abkehr von der industriellen Landwirtschaft sowie mehr Tier-, Natur- und Umweltschutz. Mit dabei waren auch wieder Vertreter der Bürgerinitiative “Keine Schweinemastanlage in Am Mellensee". Der Protestzug, der am Hauptbahnhof begann und am Luisenplatz endete, wurde vom Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg vorbereitet. Passend zur Landtagswahl am 14.09. wurde ein Umsteuern in der Landwirtschaftspolitik gefordert. Brandenburgs Agrarminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte sich mehrfach für industrielle Mastanlagen positioniert.

Auch Ärzte waren unter den Demonstranten, denn das Fleisch von Masttieren kann für Menschen gefährlich werden. Der leichtfertige Einsatz von Antibiotika in Mastanlagen führt zu multiresistenten Keimen, die auch für die Menschen gefährlich werden. Erst vergangene Woche wies eine Studie der Grünen derartige Keime in hoher Zahl in Brandenburger Mettwürsten nach.

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„Landgrabbing“, also der Landkauf im großen Stil von großen Investoren, wurde kritisiert. Jungbauern, die einen landwirtschaftlichen Betrieb gründen wollen oder Ökobauern, die ihre Betriebsfläche vergrößern wollen, sind gegenüber den Produzenten von Energiepflanzen bzw. den großen Agrarkonzernen chancenlos. Das Land Brandenburg hat den Bau von Anlagen zur industriellen Tierhaltung in den letzten Jahren mit Millionenbeträgen unterstützt. Zum Beispiel wurden Neubauten von neun Legehennenställe mit 4,6 Millionen Euro gefördert. Das ist keine nachhaltige Tierzucht. Die Landwirtschaft hat langfristig nur dann eine Zukunft, wenn sie eine hohe Wertschöpfung erzielt, ohne dabei die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören.

Der Termin für den Protestzug in Potsdam war mit Bedacht gewählt, nicht nur wegen der Landtagswahl am 14.09.: Von Dienstag bis Donnerstag findet in Potsdam unter der Leitung des brandenburgischen Landwirtschaftsministers Jörg Vogelsänger (SPD) die Agrarministerkonferenz statt. Auch über Verbesserungen in der Nutztierhaltung soll gesprochen werden.

Ziel muss es sein, öffentliche Gelder in Zukunft nur noch in Förderprogramme fließen zu lassen, die dem Schutz von Natur und Umwelt, der regionalen Wertschöpfung, der ländlichen Entwicklung dienen und mit hohen Tierschutzstandards vereinbar sind.

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Bei der Abschlusskundgebung auf dem Luisenplatz wurden in einer Talkrunde die agrarpolitischen Sprecher der im Brandenburger Landtag vertretenen Parteien – Udo Folgart (SPD), Dr. Michael Luthardt (Die Linke), Dieter Dombrowski (CDU), Axel Vogel (Bündnis 90/Die Grünen) und Gregor Beyer (FDP) – mit Fragen zur nachhaltigen Landwirtschaft konfrontiert. Der neue Landtag wird sich mit dem Thema beschäftigen. Das Aktionsbündnis Agrarwende Berlin-Brandenburg hat mit anderen Verbänden und Organisationen, so z. Bsp. dem BUND Brandenburg eine Volksinitiative gestartet, mit der der Landtag gezwungen werden soll, sich mit dem Thema zu befassen. 20 000 Unterschriften sind dafür notwendig. Laut BUND sind es bereits 35 000.

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