Stolperstein für Werner Robert Dalen verlegt

30.11.2012

Am 30. November 2012 wurde in der Zossener Stubenrauchstraße 4 ein Stolperstein für Werner Robert Dalen verlegt.


Zuvor wurden in Berlin, in der Drakestr. 59 und im Hochbergweg 2 in Lichterfelde-Ost Stolpersteine für seine Brüder Fritz und Kurd Dalen verlegt.


Initiator des Projektes "Stolpersteine" ist der Kölner Künstler Gunter Demnig, der auch in Zossen den Stolperstein für Werner Robert Dalen verlegt hat. Er sagt, „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“. Die BI Zossen zeigt Gesicht hat mit der Verlegung des Stolpersteines den Namen von Werner Robert Dalen wieder in Erinnerung gerufen.
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Damit wollen wir Menschen zum Denken anregen: zum Gedenken - zum Andenken - zum Nachdenken.
Es ist zwar nur eine einzige winzige 10 x 10 cm große Gedenktafel, aber es ist der Sieg des Kleinen über das scheinbar unbesiegbare Riesen-Dimensionale.
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Werner Robert Dalen war der älteste Sohn eines hohen preußischen Beamten und dessen Ehefrau. Der Vater studierte in Breslau Jura und trat 1866 zum evangelischen Glauben über und auch dessen Ehefrau war evangelisch getauft und christlich erzogen.
Werner Dalen hatte drei Brüder. Ernst, der jüngste von Ihnen, kam im Ersten Weltkrieg ums Leben. Seine Brüder, Fritz und Kurd und er selbst studierten alle Jura. Fritz und Kurd waren promovierte Juristen. Alle drei wurden Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung.

Fritz war Rechtsanwalt und Notar in Lichterfelde und Kurd war Rechtsanwalt und Syndikus (Firmenjurist) in Berlin. Für Dr. Fritz Dalen (zuletzt wohnhaft im Hochbergweg 1) und für Dr. Kurd Dalen (zuletzt wohnhaft in der Drakestr. 59) in Berlin Lichterfelde wurden ebenfalls am 30.11.2012 Stolpersteine verlegt. Zu den Initiatoren in Berlin gehört die Ev. Markusgemeinde Steglitz. Schön war, dass Pfarrerin Dr. Katrin Rudolph auch in Zossen anwesend war.


Zossener Bürger waren auch bei der Verlegung der Stolpersteine für Kurd und Fritz Dalen in Berlin anwesend. So haben wurde eine Verbindung zwischen den drei Brüdern geschaffen. Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass Herr Dr. Müller-Stüler anwesend war. Er ist ein Nachfahre der Familie. Seine Urgroßtante war die Mutter der Brüder Dalen.

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Werner Robert Dalen wurde 10. Juni 1879 in Bromberg (Bydgoszcz/Polen) geboren. Von 1922 bis 1939 lebte er in Zossen. Er war als Anwalt am Amtsgericht Zossen zugelassen und später auch in Berlin am Landgericht II. Seine Kanzlei hatte er in der Berliner Straße 11.


Spätestens ab 1932 bis Ende 1939 hat Dalen in der Stubenrauchstraße 4 gewohnt. Danach wohnte er zur Untermiete in der Neuen Schönhauser Allee 58, was mit Sicherheit kein frei gewählter Wohnsitz mehr war. Am 27./28. Oktober 1941 wurde er ins Ghetto Litzmannstadt (dem heutigen Lodz/Polen) deportiert, wo er am 22. Januar 1942 ermordet wurde. Damit gehörte er zu den ersten Deportierten aus Berlin.


In meiner kurzen Ansprache habe ich den früheren Bundespräsidenten Roman Herzog zitiert: "Wir dürfen es nie mehr zulassen, dass
Menschsein abhängig gemacht wird von Rasse oder Herkunft, von Überzeugung oder Glauben, von Gesundheit oder Leistungsfähigkeit." Menschsein kommt jedem Menschen zu - eigentlich ist das eine Selbstverständlichkeit. Aber es muss wohl immer wieder gesagt werden, dass der Angriff auf einen unserer Mitbürger immer auch ein Angriff auf uns alle ist.

Die Entwicklungen in jüngster Zeit - bedauerlicherweise auch in Zossen - zeigen, dass wir nicht aufhören dürfen, unsere freiheitlichen und demokratischen Werte offensiv zu proklamieren und zu verteidigen. Sie zeigen, dass wir uns nach wir vor damit befassen müssen, wie Vorurteile entstehen, wo Diskriminierung und Ausgrenzung beginnen und warum, beziehungsweise unter welchen Bedingungen radikale Parolen und rechtsextreme Einstellungen an Einfluss gewinnen.


Wie schon zuvor in Berlin wurden drei Rosen niedergelegt zum Gedenken an Werner Robert Dalen. Zugleich wurde mit dieser Geste eine Verbindung zwischen den drei Brüdern hergestellt.


Viele Bürgerinnen und Bürger waren bei der Verlegung des Stolpersteines anwesend. Unter ihnen waren die Superintendentin Katharina Furian, die Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung Karola Andrae
und die Bürgermeisterin Michaela Schreiber sowie Stadtverordnete und Ortsbeiratsmitglieder. Ein Dank gilt auch dem Zossener Bauhof der die Stolpersteinverlegung sehr gut vorbereitet und bei der Verlegung mitgewirkt hat.
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Dieser mittlerweile siebte Stolperstein in Zossen, der an Opfer der NS-Zeit erinnert, ist eine gemeinsame Initiative der Bürgerinitiative Zossen zeigt Gesicht sowie der Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung SPD/LINKE, Bündnis 90/Die Grünen und FDP. Für die Recherche konnten wir auf Erkenntnisse zurückgreifen, die das Projekt "Spurensuche. Jüdisches Leben in Zossen 1925 - 1945" erbracht hat. Das Projekt wurde 2006 unter der Trägerschaft des Jugendfreizeitklubs Leo e.V. und in Zusammenarbeit mit dem BAZ e. V. und der Gesamtschule „Geschwister Scholl“ Dabendorf abgeschlossen. Die seinerzeit entstandene Dauerausstellung über jüdisches Leben in Zossen ist mit dem Brand des Hauses der Demokratie im Januar 2010 zerstört worden.

 

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