Vor 210 Jahren errichtet – Der Friedhof in Zossen

01.11.2012


Der größte Friedhof der Stadt Zossen ist mit 8,5 ha der Zossener Friedhof am Friedhofsweg bzw. an der Gerichtsstraße. Mit seinem park- bzw. waldähnlichen Charakter besitzt er neben seiner eigentlichen Funktion als Begräbnisstätte auch eine Erholungsfunktion. Allerdings wirkt der Friedhof oft nicht so gepflegt, wie es sein könnte.

- Wichtig ist die Instandsetzung der Wege. Einige sind kaum mehr als solche zu erkennen. Viele der Hecken wirken sehr ausgedünnt, Wasser und Dünger fehlen offensichtlich.

- Der Ort des Gedenkens für die Getöteten und Vermissten beider Weltkriege erscheint mit seinen Kunststofftafeln eher provisorisch angelegt. Ehemals gab es vor dem Ort des Gedenkens für die Getöteten und Vermissten beider Weltkriege in Richtung Trauerhalle, Rosenhecken mit Einbuchtungen in denen Bänke standen.

- Das Grundstück mit dem O2 – Funkmast muss dringend gepflegt werden.

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- Durch die rückgängige Zahl der Sarg-Bestattungen und durch die im Vergleich zu früheren Zeiten, reduzierte Liegezeit, wird nicht mehr soviel Platz wie früher beansprucht. Dadurch werden viele Grabstellen geräumt und in monotone Rasenflächen umgestaltet. Diese Bereiche könnten auch Orte der Ruhe und Besinnlichkeit werden. Hierzu müssen die Wege nutzbar sein und Bänke aufgestellt werden. Die monotonen Rasenflächen sollten durch Ziergehölze abwechslungsreicher gestaltet werden. Viele Bäume und Sträucher sind mittlerweile verschwunden. Insofern müssen Neupflanzungen geplant werden.

Der Friedhof in Zossen – Ein Blick zurück

Der Zossener Friedhof mit seinem parkähnlichen Charakter wurde 1802 angelegt. Bis dahin bestanden in Zossen zwei Friedhöfe. Der eine befand sich an der Kirche, der andere auf dem Kietz. Die Wohnplätze Kietz und die Weinberge waren zu diesem Zeitpunkt noch selbstständig. Im Zuge der Vorbereitungen für den Bau des neuen Friedhofs und der damit verbundenen Kostenbeteiligung gab es Streit mit den Kietzern, die ihren Friedhof lieber behalten hätten. Nach der Eingemeindung 1808 beruhigte sich die Situation.
 
Mit dem Anstieg der Bevölkerung nahmen auch die Beerdigungen zu. Häufig konnten die Ruhezeiten nicht eingehalten werden. Auch der neue Friedhof mit einer Größe von 2,5 Morgen war bald zu klein und musste erweitert werden. Ende 1828 konnte ein neuer Teil hinzugefügt werden und 1845/46 erfolgte nochmals eine Erweiterung. Schon damals wurde eine Weißdornhecke angepflanzt.  
 
Durch Ankauf einer weiteren Parzelle konnte der Friedhof 1863 erneut vergrößert werden. Erweiterungen gab es auch 1876, 1883 und 1885. Mit dem Ankauf von zwei Grundstücken in den 1890iger Jahren erhielt der Friedhof seine heutige Ausdehnung. Seither hat er eine Größe von 8,5 ha.
 
Die Trauerhalle ist im Jahre 1896 vom Zossener Bauunternehmer Heinrich Sels gebaut worden. 1992 wurde sie von innen saniert. Ende der 1950iger Jahre entstand ein Leichenkeller neben der Trauerhalle. Er diente der Aufnahme der Särge bis zur Bestattung.
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Eine Familiengruft der Gutsbesitzerfamilie Eichhorn entstand im westlichen Bereich des Friedhofs. Nachdem die alte Decke 1999 eingestürzt war, zeigten sich alte Farbmuster. 2000 wurde das Gebäude saniert. Viele Zossener halfen bei der Finanzierung und Bauausführung. Der Dabendorfer Maler Jürgen Melzer stellte die Deckenmalerei nach einer Rekonstruktion der alten Vorlage wieder her. Die Grabanlage der letzten Gutsbesitzerfamilie Beussel findet sich gegenüber der Trauerhalle.
 
1999 wurde der Ort des Gedenkens für die Getöteten und Vermissten beider Weltkriege neu gestaltet. Schwarze Kunststofftafeln auf insgesamt sechs Stelen listen die Namen auf (fast 170 Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg; und annähernd 200 Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg). Das frühere Denkmal für die Opfer des Ersten Weltkrieges bestand aus einem Findling, der sich auf einer Natursteinterrasse befand.
 
1979 wurde ein Findling für die Opfer des Zweiten Weltkrieges vom Zossener Steinbildhauer Grobe aufgestellt. Durch die Kriegsgräberfürsorge konnte 2002 ein 300 m² großer Gedenkplatz für die 117 Menschen, die in Zossen in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges aus unterschiedlichen Gründen gestorben sind, errichtet werden. Auf 39 Steinkreuzen, die der Steinmetzmeister Reiner Grobe fertigte, stehen die Namen der Toten. Der 1979 aufgestellte Findling wurde in die Anlage integriert. Zwei mit Schieferplatten gepflasterte Wege entstanden zeitgleich mit der Anlage.
 
Bis Anfang 2008 stand in der nordwestlichen Ecke des Friedhofs noch das Haus des ehemaligen Friedhofsverwalters.  An dieser Stelle steht seit 2008 ein 40 m hoher Mobilfunkmast.
 
Einige der Bäume stammen noch aus der Zeit Anfang des 19. Jh. Die stattlichen Bäume (Linden, Tannen, Eichen oder Birken) verleihen der Begräbnisstätte den Charakter  eines Waldfriedhofes. Hinzu kommen noch einige Ziergebüsche. Der Friedhof als Ort der Ruhe, Andacht und Besinnlichkeit wurde mit streng geradlinig angelegten Wegen gestaltet. Die erste Friedhofsordnung regelte ab 1902 die Anlage und Bepflanzung der Gräber.
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