Wie Landwirte und die Natur gewinnen

09.08.2017

Am Montag, den 7. August 2017 war ich mit Kirsten Tackmann, auf ihrer Tour im ländlichen Raum im Wahlkreis 62 unterwegs. Unser erster Besuch galt Jürgen Zimmermann, dem Leiter der Agrargenossenschaft Groß Machnow eG, die im Rahmen des BER-Flughafenausbaus Kompensationsmaßnahmen umsetzt. Mit dabei war Reinhard Baier, Vorstandsmitglied des Landschaftspflegeverbandes Mittelbrandenburg e.V.

Landwirtschaft und Umweltschutz müssen sich nicht ausschließen. Die Agrargenossenschaft Groß Machnow stellt einen Teil ihrer Flächen für den Naturschutz zur Verfügung und bekommt dafür Geld vom Flughafen BBI. Ziel ist es, die landwirtschaftlich geprägte, offene Niederungslandschaft aufzuwerten und abwechslungsreicher zu gestalten.
So sollen die Lebensbedingungen für Flora und Fauna verbessert werden.

Die Zülowniederung liegt südlich des Flughafens zwischen Mittenwalde, Dabendorf und Groß Machnow/Rangsdorf. Hier sieht man gut, wie sich nötige Kompensationsmaßnahmen durch die permanente fachliche Begleitung eines Landschaftspflegeverbandes in den Betriebsalltag integrieren lassen. Blühstreifen, Hecken- und Gehölzpflanzungen, Uferrandstreifen, aber auch die Anlage von Kleingewässern zum Amphibienschutz werden von
der Flughafengesellschaft Berlin-Schönefeld (FBB) als Vorhabensträger finanziert.

Das Ergebnis kann sich schon jetzt sehen lassen. Auch Jürgen Zimmermann zieht eine positive Bilanz. Die anfängliche Skepsis war bald verflogen, denn die unterschiedlichen Maßnahmen lassen sich auch dank der Kordination und Begleitung durch den Landschaftspflegeverband Mittelbrandenburg recht verträglich in den Betriebsalltag integrieren.
Sofern die Finanzierung gesichert ist, können solche landschaftspflegerischen Arbeiten positiv zum Betriebsergebnis
beitragen.

Seit Frühjahr 2013 werden auf einer 2500 ha großen Fläche erstmals großflächig betriebsintegrierte Maßnahmen umgesetzt. Auf verschiedenen Landwirtschaftsbetrieben zwischen Rangsdorf, Mittenwalde und Zossen werden so in der stark landwirtschaftlich geprägten Niederungslandschaft eine Vielzahl von Naturschutzmaßnahmen über die Laufzeit von 25 Jahren stufenweise etabliert. Damit hat schon jetzt die Landschaft durch die Umsetzung der Kompensationsmaßnahmen an Struktur und damit an Attraktivität gewonnen. Festgestellt wurde bereits eine Zunahme der Insekten.

Neben Gehölz- und Heckenpflanzungen, einer vielfältigeren Fruchtfolge werden wasserbauliche Maßnahmen wie Mittelinseln und Fischaufstiegsanlagen im Zülowkanal durchgeführt und neue Kleingewässer geschaffen. Kernstück des Kompensationsvorhabens bilden allerdings 1.000 ha Grün- und Ackerland.

Die Regenereignisse der letzten Wochen waren ebenfalls Thema bei unserem Besuch. Die Befahrbarkeit der Ackerflächen ist nicht gegeben. Gerade in der Erntezeit ist das ein Problem. Einzig ein Mähdrescher mit Ketten war
im Ernteeinsatz. Deutlich wurde, dass ein starrer Planfeststellungsbeschluss in Bezug auf die Realisierung der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nicht flexibel genug ist, um auf Naturereingnisse reagieren zu können.

Im November 1991 wurde die Agrargenossenschaft Groß Machnow in Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft gegründet. In genossenschaftlicher Kooperation wird in Groß Machnow bereits seit 1978 Landwirtschaft betrieben. 1990 bewirtschaftete der Betrieb noch eine Fläche von 4400 Hektar. Durch die rege Bautätigkeit hat sich die Fläche
im Laufe der Jahre reduziert. Heute sind es noch gut 3.000 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Gehalten werden auf den Weiden ca. 100 Mutterkühe mit Nachzucht und es gibt seit 1999 einen Stall mit 600 Sauenplätzen. Neben dem Sauenstall gibt es seit 2007 eine Biogasanlage. 24 Mitarbeiter bewirtschaften den Betrieb. Die Haltung der Mutterkühe erfolgt ganzjährig im Freiland auf den Luchwiesen in Groß Machnow und den Pfählingsee-Wiesen Telz.

 

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